Die Zukünfte des Erzählens im Jahr 2056
Mittwoch, 21. Oktober 2026
Zukünfte beginnen im Erzählen – und genau darum geht’s:
Welche Bilder entstehen, wenn Geschichten über wünschenswerte Zukünfte erfunden werden? Zukünfte, die weder Utopie noch Dystopie sind, sondern das wünschenswerte Nächste? Und Nächste? Und Übernächste? Was ist da alles plötzlich möglich und in Reichweite, wenn wir neu, frisch, fundiert und zugleich ungehemmt weiterdenken?
Wie sehen etwa Zukünfte des gedruckten Buches im Jahr 2056 aus? Wie diejenigen von Verlagen mit all ihren zugehörigen Berufen? Wie diejenigen des Buchhandels, mit all ihren zugehörigen Menschen?
Indem wir Zukünfte für Buchhandlungen und Verlage denken, laden wir dazu ein, die eigene Sicht zu weiten. Was macht Hoffnung, selbst bei all dem Unerfreulichen, was lässt uns freundlich nach vorne schauen? Was motiviert zum Handeln, dann, wenn der Buchdeckel zugeklappt ist?
Mit Impulsen aus Wissenschaft, Kreativität und Imagination entstehen Zukunftsbilder, die den Horizont öffnen. Dadurch schärft das Seminar die Fähigkeit, in multiplen Zukünften zu denken, denn auch die Zukünftevisionen der Anderen fordern uns heraus. Damit umzugehen ist eine Kompetenz, die von der UNESCO als entscheidend für die kommenden Jahre gesehen wird.
Ein Tag, an dem deine Fantasie über dich hinauswächst, wilder Mut zum Ausprobieren entsteht und eigene Zukünfte Formen finden.
Die Ziele des Zukünftelabors sind:
- Mit verschiedenen Zukünften experimentieren und die eigene Vorstellungskraft stärken
- Die Methode der Zukünftelabore im eigenen Erleben kennenlernen
- Andere Menschen und Organisationen kennenlernen, die sich ebenfalls für Zukünfte des Erzählens interessieren
- Handlungsideen für die Gegenwart entwerfen, die zu wünschenswerten Zukünften führen können
- Die Vielfalt der Möglichkeiten feiern
Das Seminar ist so aufgebaut, dass am Morgen Mitarbeitende des Buchhandels und von Verlagen gemeinsam teilnehmen und sich auf die Reise machen. Folgende Stationen eines Zukünftelabors werden durchlaufen:
Wahrscheinliche Zukünfte, Wünschenswerte Zukünfte, Annahmen, Alternative Zukünfte, kraftvolle Fragen für elegante nächste Schritte.
Am Nachmittag wird in den zwei Berufsfeldern (Buchhandel und Verlag) gearbeitet. Dabei steht die Weiterarbeit mit alternativen Zukünften und kraftvolle Fragen für eleganten nächste Schritte, die ins Handeln führen, im Zentrum.
Wir haben der Kursleiterin Michèle Minelli vier Fragen zum Kurs gestellt.
-Was können Kursteilnehmende an diesem Tag erwarten?
Ganz neue Gedanken, die aus ihnen selbst kommen, von denen sie aber noch gar nicht wussten, dass es sie gibt. Impulse, die Handlungsräume öffnen und die Vernetzung mit anderen.
-Wieso haben mögliche Zukünfte einen Einfluss auf die Gegenwart?
Die Annahmen, die wir - stillschweigend - über unsere Zukunft hegen, haben einen direkten Einfluss auf unser Handeln im Jetzt. Wenn ich mir dieser Annahmen bewusst werde, kann ich mit ihnen spielen und bewege damit auch meine möglichen Zukünfte.
-Was ist aus deiner Sicht eine mögliche Zukunft des Erzählens?
Da wäre ich gerne ein Jules Verne der heutigen Zeit, um diese Frage zu beantworten! Aber auch Ray Bradbury setzte sich 1953 mit dieser Frage auseinander und schuf Fahrenheit 451. Das sind nun künstlerische Antworten, ich weiss. Als Mensch interessiert mich dieser Moment, in dem ich merke: Ich habe da einen Einfluss drauf.
-Wie kamst du dazu, eine Ausbildung in diesem Bereich zu machen?
Dystopien und auch Utopien ermüden mich sehr schnell beim Lesen, aber auch als Zukunftsvision für die Welt ganz konkret. Die Zukünftelabore trainieren die Kompetenz, mit alternativen Zukünften umzugehen, sich auf sie gedanklich einzulassen und sie weiterzuentwickeln. Das gab mir einen unglaublichen Schub.

Michèle Minelli,
ist Eidg. dipl. Ausbildungsleiterin und Autorin von Büchern und Drehbüchern. Im eigenen Weiterbildungshaus Schreibwerk Ost und in Zusammenarbeit mit dem SBVV leitet sie literarische Seminare. Die Frage nach den Zukünften des Erzählens – wer erzählt wem, in welcher Form, zu welchem Anlass? Gibt es 2056 noch klassische Verlage, die Bücher herausbringen, existiert die Buchhandlung an der Ecke dann noch und wie? – hat sie dazu gebracht, sich in Futures Literacy weiterzubilden, und sich die Kompetenz des Umgangs mit verschiedenen Zukünften anzueignen. Als Leiterin von Zukunftslaboren schenkt sie Raum, sich alternativen Zukünften anzunähern und ins Handeln zu kommen.